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Muay Thai gegen Gewalt

 

 

Thailändisches Regelwerk Muay Thai

Runden 5 x 3 Minuten, Pause 1 Minute
Vor jedem Kampf muss ein Wai Kruh gezeigt werden

Verbreitete Gewichtsklassen in Thailand sind 51-55 kg, 55-57 kg, 57-60 kg, 60-63.5 kg, 63.5-67 kg, 67-71 kg. Die Thailänder trifft man vorwiegend in den tiefen Gewichtsklassen an, es gibt keine Thailänder im Schwergewicht.

Schläge mit Fäusten, Ellenbogen, Knien und Beinen sind erlaubt
Clinchen und Werfen (strenges Reglement) ist erlaubt
Schläge in den Rücken und Leistengegend sind erlaubt
Verboten sind Schläge in die Genitalien, Würfe über die Hüfte oder Haken stellen. Griffe welche dem Gegner das Rückgrat brechen sind ebenfalls nicht gestattet. Bodenkampf ist verboten.

 

Ausrüstung der Kämpfer: Bandagen mit Tape, Boxhandschuhe gem. Regelement von 6 bis 10 OZ, Tiefschutz, Knöchelschoner, sowie Mongkon und Prajet. Zum Einlauf in den Ring gehört der "Süa Klum", ein Mantel oder Umhang.

 

Kämpfe mit Schutzausrüstungen sind in Thailand üblich: Schul- und Universitätsmeisterschaften, ASEAN Games (ähnlich den olympischen Spielen, Beteiligung nur asiatischer Länder), Amateur Weltmeisterschaften, etc.

Die Schutzausrüstung besteht aus: Kopf- und Körperschutz, Ellenbogenschoner, Boxhandschuhe und Schienbeinschoner. Unter dem Körperschutz muss ein konformes Träger T-Shirt getragen werden. Genormte Stoffbandagen ohne Tapeaufbau, sowie Knöchelschöner und Tiefschutz gehören zur Ausrüstung. Für Frauen ist ein Brustschutz vorgeschrieben.

Vor jedem Kampf zeigt der Kämpfer den Wai Kruh (wörtlich übersetzt den "Trainer grüssen"). Das traditionelle Ritual um sich auf den Kampf einzustimmen und dem Trainer, Gym und Familie Respekt zu erweisen. Nie würde ein Kampf ohne Wai Kruh stattfinden. Der Kämpfer trägt während dem Wai Kruh den Mongkon um den Kopf. Der Mongkon ist ein geflochtenes Band, welches dem Kämpfer Glück bringen soll und von einem Mönch gesegnet wurde. Der Mongkon wird vor dem Kampf vom Trainer oder Manager vom Kopf des Kämpfers genommen. Meistens tragen die Kämpfer auch geflochtene Bänder an den Oberarmen, die "Prajets". Sie bringen ebenfalls Glück. Während des Wai Kruhs und des Kampfes spielt immer ein kleines Orchester traditionelle "Kampfmusik".

 

Der Boxring ist etwas Besonderes für Kämpfer, Trainer und Ringrichter. Alle "grüssen" den Ring vor dem Betreten und Verlassen mit dem Wai (der Wai ist die Begrüssung der Thailänder, wie bei uns das Händereichen). Der Wai drückt auch den Respekt vor dem Ring aus.

Die Techniken werden in Thailand vor allem nach ihrer Effizienz beurteilt. Das heisst, Treffer werden gewertet, wenn sie sichtbar Wirkung beim Gegner hinterlassen. Es geht beim thailändischen System also vorwiegend darum, effektiv zu sein und nicht unbedingt um einen unterhaltsamen Kampfstil.

Die Thailänder sehen Muay Thai primär als Verdienstquelle an. Mit den Kämpfen verdienen sie ihren Lebensunterhalt, Trainer und Manager verdienen ebenfalls an den Kampfbörsen mit. Finanziert werden so auch die "Khai Muay". Das sind professionelle Trainingscamps in welchen die Kämpfer trainieren und leben. In Thailand ist das Wetten auf Sport Ereignisse wie z.B. Fussball und natürlich Thaiboxkämpfe sehr populär. Das macht die Kämpfe zusätzlich attraktiv, jeder kann sein Glück versuchen Geld zu gewinnen. Die meisten Spieler sind regelrechte Experten was die Thaibox Szene angelangt, nicht selten sind sie selbst ehemalige Thaiboxer. Eine gute Wette erfordert viel Fachwissen und Insiderkenntnisse. Beispielsweise über die technischen Fähigkeiten der einzelnen Kämpfer, die Vereinbarungen zum Kampfgewicht, die Motivation des Kämpfers etc. Viele Faktoren sind bei solchen Wetten zu berücksichtigen. Dies führt manchmal auch zu unseriösen Machenschaften. Beispielsweise werden Telefonkabel oder Geldstücke in die Bandagen eingelegt oder dem Gegner heimlich Abführmittel verabreicht usw. Wenn es um die eigene Existenz geht, scheinen unlautere Mittel verlockend. Deshalb müssen die Ringrichter besonders streng die Ausrüstung kontrollieren. Spielcasinos sind in Thailand übrigens verboten.

 

Regeln in Europa

Im Gegensatz zu Thailand gibt es bei uns unterschiedliche Stärkeklassen und Rundenzeiten:

C-Klasse: Anfänger 0-10 Kämpfe
Rundenzeit 3x2 Minuten mit/ohne Schutzausrüstung

B-Klasse: Fortgeschritten 10-20 Kämpfe
Rundenzeit 5x2 Minuten ohne Schutzausrüstung

A-Klasse: Profis ab 20-25 Kämpfen
Rundenzeit 5x3 Minuten analog Thailand

Verbreitete Gewichtsklassen in Europa sind 60-63.5 kg, 63.5-67 kg, 67-71 kg, 71-76 kg, 76-81 kg, 81-86 kg, 86-91 kg, 91-95 kg, + 95 kg

Die Regeln sind die gleichen wie in Thailand. Allerdings werden hier die Kämpfe bei Unterlegenheit eines Kämpfers schneller unterbrochen als in Thailand. Tritte in die Leistengegend beispielsweise werden von den Ringrichtern nicht toleriert.

Die Ausrüstung und Bekleidung ist in Europa gleich. Allerdings sind hier in den meisten Fällen nur 10 OZ Boxhandschuhe zugelassen. Diese haben mehr Polsterung als 6 oder 8 OZ Handschuhe.

Die Beurteilung der Techniken wird in Europa, ausser in der C-Klasse fast gleich gehandhabt. Bei C-Klasse Kämpfen mit Schutzausrüstung, wird ein modifiziertes Reglement angewendet und beispielsweise ein Niederschlag nicht gewertet. Dies fördert einen technischen Stil.

Insgesamt ist das Niveau tiefer als in Thailand. Das liegt daran, dass es nur wenige Profis in Europa gibt. In Thailand gibt es NUR Profis und somit nur die A-Klasse. Die meisten Kämpfer in Europa trainieren in ihrer Freizeit und können nicht von den Kampfbörsen leben. Die Motivationen der Kämpfer in Europa sind unterschiedlich. Viele beginnen Muay Thai zum Spass oder um fit zu werden. Nicht viele beginnen von Anfang an mit dem Ziel in den Ring zu steigen. Und das Ziel mit Muay Thai Kämpfen den Lebensunterhalt zu verdienen haben hier die Wenigsten.